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Pascal Gabriel
Losgehen

71. Wer Angst vor dem Fallen hat, hat Angst vor dem fliegen

By 9. Dezember 2019No Comments

Die Geschichte von Ikarus aus der griechischen Mythologie wird oft als Lehre gegen Übermut benutzt. In der Sage entflieht Ikarus mit Flügeln aus Federn und Wachs seiner Gefangenschaft, kommt aber durch seinen Höhenflug zu nahe an die Sonne und stürz mit aufgeweichten Flügeln ab. Der Teil, der in der Geschichte oft nicht erzählt wird: seine Flügel weichen auch auf, wenn er zu nah am Grund, zu nah am Meer fliegt.

Ich sage, dass der wichtigste Teil der Geschichte ganz übersehen wird: Dass die meisten in Gefangenschaft sterben, bevor sie überhaupt an Flügel denken. Der erste Schritt in der Story ist die Erweiterung der Grenzen im Denken, um der Gefangenschaft mit Flügeln überhaupt zu entkommen. Bevor das nicht passiert, erzählt man sich gerne Geschichten über Ikarus und Co. und hält sich an Moralvorstellungen fest, um überhaupt nicht zu riskieren. Wir alle sind blockiert von längst veralteten Moralgeschichten, die uns klein halten sollen.

Wie viele Gläubige krallen sich am Leben nach dem Tod fest, um überhaupt nicht leben zu müssen? Wie viele Menschen lesen Bücher über Startups, um nicht mit dem ersten Schritt anfangen zu müssen? Wie viele benutzen Horror-Geschichten vom Versagen, um ihre Ambitionen klein zu halten?

Vergiss die Flügel. Du bist nicht Ikarus. Aber du lebst in Gefangenschaft. Denk über deine Flucht nach. Vielleicht gibt es einen Helikopter, dem Sonne und Meer scheißegal sind?