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Pascal Gabriel
Brustraus

45. Grenzenlose Freiheit ist eine riesige Grenze

By 13. November 2019No Comments

 

Wir alle haben unsere Art, unseren Kern, unsere Angst, den intimsten Teil von uns, vor Verletzungen zu beschützen. Es gibt viele Strategien, das zu tun. Die tückischste davon ist so zu tun, als hätte man überhaupt nichts zu verbergen. Als wäre man vollkommen transparent. Als hätte man grenzenlose Freiheit.

Wenn du glaubst, grenzenlos frei sein zu müssen, begibst du dich in grenzenlose Gefangenschaft. Wir alle wünschen uns mehr Verbindung und Verankerung mit den Menschen um uns. Wir alle sehnen uns nach tiefer Intimität und Liebe. Wir alle haben grenzenlose Angst davor, uns dabei zu verlieren.
Mich in meiner Unabhängigkeit immer konstant zu halten ist ein neurotisches Verhalten, nie wirklich eine tiefe Verbindung einzugehen. Gleichzeitig wünschen wir uns von anderen, dass sie mit uns eine Verbindung eingehen. Das Versteckspiel der Ängste ist der Tanz um die Intimität. Das größte Ziel des Lebens kann dein Verstand für immer vermeiden und sich freuen, „frei“ zu sein.

Du bist nicht frei, wenn du glaubst, frei sein zu müssen. Freiheit beinhaltet auch die Freiheit, mich in Verantwortungen zu begeben, mein Leben in Verbindung zu leben und damit meine Unabhängigkeit zu riskieren.

Grenzenlose Freiheit ist Verschlossenheit, die Menschen auf Distanz hält. Egal in welcher Art von Beziehung: immer seine Freiheit zu verteidigen, heißt meistens, sich von allem zu distanzieren. Eine riesige Grenze um sich bauen.

Wer immer unabhängig ist, macht sich immer unantastbarer. Für sich und für andere. Grenzenlose Freiheit ist eine riesige Grenze.